Jahresberichte des AHK

Hier finden Sie die Jahresberichte des Arbeitskreis Historischer Hauberg.

Jahresbericht 2003

 

Jahreswirtschaftsbericht 2003 über den Historischen Hauberg Fellinghausen

Inhalt

  1. Haubergsversammlung
  2. Haubergsteilung
  3. Räumen und Schanzenmachen
  4. Lohschälen
  5. Hacken und Brennen, Saat
  6. Getreideernte
  7. Nachpflanzen
  8. Gattern
  9. Meiler
  10. Latèneofen
  11. Öffentlichkeitsarbeit
  12. Sonstiges

 


Haubergsversammlung

Die Haubergsversammlung fand am 22.11.2002 statt. Unter Anderem wurde beraten und Beschluss gefasst über den Ausbau des Erzebachweges, der zur Holzabfuhr in den kommenden Jahren dringend benötigt wird.

Haubergsteilung

Am 21.1.2003 nachmittags fand das Haubergsteilen durch den Vorstand der WG bei Temperaturen um 4°C statt, nachdem auf der Jahresversammlung die Zuteilungsansprüche der Genossen abgeklärt worden waren. Dem Teilen folgte eine Periode mit viel Regen und Schnee (bis zu 34 cm Schneehöhe am 5.2.!), sodass das Räumen nur zögerlich begonnen wurde.

Räumen und Schanzenmachen

Das Räumen war Mitte März beendet. Die Temperaturen lagen jetzt schon bei 8 bis 10 °C. Das Schanzenmachen zog sich bis zum 25.4.2003 hin. Insgesamt wurden 182 Stück angefertigt. Sie wurden überwiegend (100) an die Bäckerei Kiehl in Grissenbach verkauft, der Rest an Backesvereine (70) sowie an die Stadt Kreuztal (12, Ferienspiele, s.d.)

Lohschälen

Bereits Mitte April stiegen die Temperaturen auf über 20 °C. Entsprechend früh begann auch das Lohschälen bereits am 30.4.2003. Schon am 23.5. waren alle Jähne geschält und am 26.5. alle Lohe abgenommen und gebündelt. Von 136 Schälstangen wurden diesmal 463 kg Lohe geerntet, d.h., im Durchschnitt je Stange 3,4 kg. Die gesamte Lohe wurde an die Rotgerberei Rendenbach in Trier abgegeben.

Hacken, Brennen, Saat

Das Fräsen der Buchweizen-Teilfläche fand am 31.5.2003 statt, die Buchweizensaat am 3.6.2003.

Die Roggenfläche wurde am 15.8.2003 gefräst.

Am 16. August fand das erste Brasenklopfen bei Temperaturen um 22 °C statt, am 19.8.2003 das zweite Brasenklopfen (19 °C) und am 20.8. 2003 das Brasenbrennen bei 22°C mit 30 Haubergsfeuern. Das Brennen war diesmal wegen der seit Ende Juli andauernden Dürre etwas riskant. Glücklicherweise hatte es am 18.8. wenigstens 14,8 mm Regen gegeben.

Am 22.8. wurde die Asche zerworfen.
Roggensaat und anschließendes Abschlusstreffen der „Aktiven“ in der Hütte Herling fanden am 6.9.03 statt. Der Roggen ist sehr gut aufgelaufen.

Getreideernte

Der Haubergsroggen blühte bereits am 2.6.2003 und war wegen der hohen Temperaturen im Monat Juli sehr früh reif. Der größte Teil des Roggens wurde schon am 29.7.2003 bei 21°C geschnitten und zu 10 Rittern aufgestellt. Das restliche Korn haben die Kinder der Kreuztaler Ferienspiele am 5.8.geschnitten und zu 2 Rittern zusammengestellt.

Die Ritter, ausgenommen die von den Kindern errichteten, wurden wieder an Kirchengemeinden und Vereine abgegeben.

Einem Sonderzweck wurde ein Teil der Roggenernte dieses Jahres zugeführt: Die schönsten Halme sind zur Herstellung eines „Biggern“, d.h. einer Bienenwohnung gesammelt und gespendet worden, welches beim Jubiläums-Festzug 2004 in Müsen gezeigt werden soll.
Der Buchweizen hatte wegen der Sommerdürre nur mäßige Entwicklungsmöglichkeiten (vom 6. Juli bis 28. August fielen nur 76 mm Regen!) und erfror weitgehend beim ersten Frost am 23.bis 25. Oktober.

Nachpflanzen

Auch im Jahre 2003 wurde der vorjährige Haubergschlag (2002) mit 1000 Traubeneichen im Verband von ca. 3 x 3 m überpflanzt, um der Überalterung der Stöcke entgegenzuwirken.

Gattern

Der Haubergsschlag 2003 ist zur Verhütung von Wildverbiss bereits bald nach dem Räumen und Schälen (Mitte Juni ) gegattert worden. Als Ausgleich wurden alte Gatter entfernt und die betreffenden Flächen wieder für das Wild freigegeben

Meiler

Der Meiler 2003 wurde am Mittwoch nach Pfingsten (11.6.)mit rd. 11 rm (etwa 6100 kg) Haubergsholz mit 4 Helfern errichtet, am 12.6. morgens angezündet und nach einer Brenndauer von nur 5 Tagen zuzüglich 2 Tage Abkühlungszeit am 17. Juni mit 8 Helfern geöffnet. Die Verkohlung war wegen des gut abgelagerten Zustandes des Holzes (Hieb: Sommer 2000!) sehr zügig vor sich gegangen und bis auf wenige Resthölzer gelungen. Es wurden 1250 kg Holzkohle geerntet. Das entspricht einer Gewichtsausbeute von 20,5%, die über dem Idealwert von 20% liegt. Von der Holzkohle wurde eine Teilmenge von 108 kg an die Arbeitsgruppe Latèneofen abgegeben, der Rest in kurzer Zeit als Grillkohle verkauft. Auch 2004 soll ein Meiler errichtet werden, und zwar wieder am Mittwoch nach Pfingsten.

Latèneofen

Im Latèneofen wurde 2003 ein Verhüttungsversuch am 15. – 17. Juli mit großzügiger finanzieller Förderung durch die Stadt Kreuztal unternommen.

Es wurden 25 kg Erz und 78,8 kg Holzkohle eingesetzt und eine Luppe von 7,8 kg Gewicht geerntet. Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass die Temperatur im Ofen wiederum nicht ausgereicht hat, um alles Erz zu schmelzen.

Erstmals wurde ein Digital-Thermometer eingesetzt, welches den Temperaturverlauf aufzeichnet und dadurch eine genaue Kontrolle der Temperaturverhältnisse erlaubt.
Die Höchsttemperatur betrug diesmal 1119 °C; während der meisten Zeit innerhalb des Verhüttungsversuches lagen die Temperaturen im Bereich zwischen 800 und 1000 °C.

In der Luppe findet sich wieder feinst verteiltes (so nicht verwertbares) metallisches Eisen. Das übrige Eisen liegt in unvollständig reduzierter Form (Fe3O4) vor.

Inzwischen besteht der Eindruck, dass die Belüftung des Ofens durch natürlichen Wind und Kaminwirkung nicht ausreicht. Ein im Frühsommer 2004 geplanter neuer Versuch soll diesem Mangel Rechnung tragen.

Ebenfalls mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Kreuztal wurde Anfang Juni 2003 nahe beim Latèneofen ein Wetterunterstand aus 90 Schälstangen auf einem Grundriss von 3 x 3 m mit kleinen Betonfundamenten errichtet. Der Unterstand war notwendig geworden, weil die Arbeitsgruppe Latèneofen witterungsunabhängig arbeiten können und vor allen Dingen ihre wertvollen schriftlichen Belege und teuren Instrumente vor Regeneinfluss schützen muss.

Öffentlichkeitsarbeit

  1. ) Führungen

    Nach der anliegenden Statistik des FA Hilchenbach wurden im Berichtsjahr 1475 Personen in 63 Gruppen im Hauberg geführt. Das bedeutet eine Steigerung um rund 19% gegenüber dem Vorjahr. An der geführten Personenzahl war das FA Hilchenbach zu 63% mit 3 Führern, das FA Siegen zu 37% mit 4 Führern beteiligt. Von den Gruppen entfallen 62% auf das FA Hilchenbach, 38% auf das FA Siegen.

    Bei den geführten Gruppen entfielen 38 % der Personen auf Grundschulklassen, 1,4 % auf Kindergärten, 10,9 % auf Gymnasien, 6,4 % auf Studenten und 2,2 % auf die Ferienspiele. Insgesamt waren also 58,9 % der geführten Personen junge Menschen, der Rest Vereine und sonstige Gruppen (27,5 %), Naturschutzgruppen (1,3 %), Fachwissenschaftler (6,7 %) und praktizierende Forstwirte bzw. Waldbauern (5,7%).

    Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Gymnasiasten an der Zahl geführter Personen.

  2. ) nicht organisierte Besuche

    Die Zahl der nicht offiziell registrierten Besucher von Hauberg, Meiler und Latèneofen kann wiederum nur geschätzt werden. Sie dürfte die Größenordnung von 1400 Personen haben, sodass die Jahres-Besucherzahl einen neuen Rekord von rund 2800 Personen aufweist.

  3. ) Haubergs-Lexikon

    Am 14.12.2002 wurde das vom Waldgenossen Alfred Becker verfasste Buch „Haubergs-Lexikon“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Es enthält auf 368 Seiten mit 243 Abbildungen Erläuterungen zu 71 Hauptstichworten aus dem Bereich des Siegerländer Haubergs sowie im Anhang Rechtsvorschriften und sonstige Regelwerke zum Hauberg aus 5 Jahrhunderten.

    Ein großer Teil dieses Buches ist dem Historischen Hauberg Fellinghausen gewidmet bzw. fußt auf Beobachtungen und Erkenntnissen aus dem Historischen Hauberg. Mit Fug und Recht kann daher gesagt werden, dass es sich bei diesem Buch auch um Öffentlichkeitsarbeit aus dem Historischen Hauberg handelt.

  4. ) Kreuztaler FerienspieleWie im Vorjahr hatte der AK Historischer Hauberg wieder seine Beteiligung an den Ferienspielen der Stadt Kreuztal angeboten. Die Ferienspiele wurden gemeinsam mit der Stadt Kreuztal vorbereitet und durchgeführt.

    Am 5.8.2003 haben 16 Schülerinnen und Schüler bei glühender Hitze im Jahresschlag 2002 Roggen mit dem „Gräser“ (der Sichel) geschnitten und zu 2 Rittern zusammengestellt.

    Am 6.8. haben die Schüler die Ritter aufgelöst und die einzelnen Garben in Jutesäcken mittels Haselstecken ausgedroschen, Das in der „Fäjwann“ grob gereinigte Korn hatte ein Gewicht von 11 Kilogramm. Parallel zum Dreschen fand eine Waldwanderung unter sachkundiger Führung, verbunden mit einem Haubergs-Quiz, statt. Die Gewinner des Quiz erhielten von der Stadt Kreuztal gestiftete Buchpreise und als ersten Preis einen Weihnachtsbaum, der vor Weihnachten 2003 in einem Waldstück im Stadtgebiet von Kreuztal nach Anweisung von Förster Kordes geschlagen werden darf.

    Am 7.8. fuhr ein Bus zur Nenkersdorfer Wassermühle, wo der Müller Friedhelm Weber seine Mühle und ihre Funktionen vorstellte, das Korn aus dem Haubergsjahr 2002 im Beisein der Kinder mahlte und nicht zuletzt noch einen kräftigen Imbiss mit Getränken für die Schüler spendierte.
    Der krönende Abschluss fand am Backhaus der Familie Müller in Mittelhees statt. Aus dem Nenkersdorfer Mehl und weiteren Zutaten hatte Bäcker Fischer aus Kredenbach 50 Brotlaibe geformt. Im Backhaus waren 12 Schanzen aus dem Hauberg verbrannt und damit das Ofengewölbe rotglühend gemacht worden. Nur eine Stunde dauerte es, bis die ersten knusprig-braunen Brote aus dem Ofenloch gezogen werden konnten. Einige Brote wurden an Ort und Stelle mit Heißhunger verzehrt. Aber für jedes Kind blieb noch ein Brot zum Mitnehmen nach Hause.

    Den beteiligten Kindern sah man an, dass ihnen die Ferienspiele im und um den Hauberg viel Spaß gemacht hatten. Vor allem hatten sie aber gelernt, wozu der mühsame Roggenanbau im Hauberg nützlich war, zu Zeiten, als man noch nicht in jedem Supermarkt Brot in Hülle und Fülle kaufen konnte.

    Die Begleitpersonen aus dem AK Historischer Hauberg (F.J. Kordes, M. Sorg und A. Becker) waren wie die Eltern und schließlich auch die Stadt Kreuztal sehr angetan vom Verlauf der Ferienspiele, sodass eine Wiederholung in 2004 möglich scheint.
    Die Siegener Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 12.8.2003, S. 7, über die Ferienspiele Kreuztal im Fellinghäuser Hauberg

  5. ) Diavortrag Hauberg

    Die Caritas-Konferenz Weidenau hatte für den 20.1.2003 zu einem Dia-Vortrag über den Siegerländer Hauberg, seinen Ursprung, seine Bedeutung und seine Zukunft eingeladen. Etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Vortrag interessant und lehrreich und bedankten sich beim Referenten.

  6. ) Jahrestagung der AFSV

    Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Forstliche Standorts- und Vegetationskunde, deren Mitglieder Forstwissenschaftler, Botaniker, Geologen, Bodenkundler, Standortkundler und praktizierende Forstleute aus der ganzen Bundesrepublik und dem benachbarten Ausland sind, fand 2003 vom 17. bis 20. September in Freudenberg statt. Sie stand unter dem Motto: Geschichte und Zukunft des Waldes im Siegerland unter Berücksichtigung der standörtlichen Gegebenheiten.

    Am 19.9. führte die AG eine Lehrwanderung mit rd. 100 Teilnehmern im Fellinghäuser Hauberg durch. 5 erfahrene Haubergsführer erläuterten die Waldstadien und Arbeitsgänge im Hauberg ebenso anschaulich wie die wirtschaftliche Bedeutung des Haubergs in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

    Die Teilnehmer waren stark beeindruckt vom Historischen Hauberg und äußerten mehrfach die Bitte, diese Einrichtung auf jeden Fall fortzuführen und nach Möglichkeit auszubauen.
    Auch für den Fellinghäuser Hauberg war diese Veranstaltung das herausragende Ereignis des Jahres.

Sonstiges

  1. Die Diplomarbeit des Lehramtsstudenten Volker Weissenberg an der UNI Köln zum Thema „Waldgeschichte des Siegerlandes seit der letzten Eiszeit bis zur Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung des Grundsatzes der Nachhaltigkeit der Waldnutzungen“ ist fertig gestellt und liegt dem AK Historischer Hauberg vor.

  2. Wildschweine im Hauberg

    In den ersten Augusttagen haben Wildschweine den Kornschlag aus dem Jahre 2002 heimgesucht und einen Teil der Roggenernte zunichte gemacht, d.h. gefressen.

    Glücklicherweise hatte die Waldgenossenschaft kurz zuvor die größte Fläche abgeerntet. Aber die für die Kreuztaler Ferienspiele reservierte Teilfläche war nur noch zur Hälfte nutzbar, die andere Hälfte am Boden zertrampelt.

  3. Fahrt zum Museum Neandertal

    27 Personen waren der Einladung der Waldgenossenschaft Fellinghausen zu einer Busfahrt am 19.8. 2003 in das Museum Neandertal bei Mettmann im Nahbereich von Düsseldorf gefolgt. Die Einladung war als kleine Aufmerksamkeit der WG für die Aktiven im Hauberg und ihre Angehörigen sowie die Mitglieder des Arbeitskreises Historischer Hauberg gedacht. Im Museum wurde den Teilnehmern fachkundig erklärt, wo und wie die „Neandertaler“ gelebt haben und welche Beziehung wir „modernen“ Menschen zu ihnen haben könnten. Es war ein schöner und zugleich lehrreicher Ausflug, der übrigens der Anregung eines Haubergsgastes zu verdanken war.

    Der WG sei hiermit herzlich gedankt.


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Jahresbericht 2002

Jahreswirtschaftsbericht 2002 über den Historischen Hauberg Fellinghausen

Inhalt

  1. Haubergsversammlung
  2. Haubergsteilung
  3. Räumen und Schanzenmachen
  4. Lohschälen
  5. Hacken und Brennen, Saat
  6. Getreideernte
  7. Nachpflanzen
  8. Gattern
  9. Meiler
  10. Latèneofen
  11. Öffentlichkeitsarbeit
  12. Sonstiges

Haubergsversammlung

Die Haubergsversammlung fand in diesem Jahr sehr spät, am 1.2.2002, statt. Der Grund waren anstehende Grundstücksverträge im Zusammenhang mit dem HTS-Weiterbau. Die erforderlichen Vorklärungen nahmen einige Zeit in Anspruch, sodass die notwendige Zustimmung der Genossenschaftsversammlung erst Anfang Februar herbeigeführt werden konnte.

Haubergsteilung

Am 5.2.02 nachmittags fand das Haubergsteilen durch den Vorstand der WG bei Temperaturen um 8°C statt, nachdem auf der Jahresversammlung die Zuteilungsansprüche der Genossen abgeklärt worden waren.

Räumen und Schanzenmachen

Das Räumen begann am 7.2. 2002 bei Temperaturen um 4°C. Die letzte Schanze wurde um den 10.4. 2002 gemacht. Insgesamt wurden 391 Schanzen angefertigt. Sie wurden überwiegend (271) an die Bäckerei Nies in Helberhausen verkauft, der Rest an Heimat- und Backesvereine sowie an die Stadt Kreuztal (Ferienspiele, s.d.)

Lohschälen

Bis 6. Mai herrschten noch kühle Temperaturen von 7 bis 12 °C. Mit dem Anstieg der Temperaturen ab 7.5.2002 auf 19 bis 23 °C begann auch das Lohschälen. Am 24.5. waren alle Jähne geschält, am 27.5. war alle Lohe abgenommen und gebündelt. Von 170 Schälstangen wurden diesmal 410 kg Lohe geerntet, d.h., im Durchschnitt je Stange 2,4 kg. Die gesamte Lohe wurde an die Rotgerberei Rendenbach in Trier abgegeben.

Hacken, Brennen, Saat

Das Fräsen der Buchweizen-Teilfläche fand in der ersten Juni-Hälfte statt, ebenso die Buchweizensaat.
Die Roggenfläche wurde am 15.8.2002 gefräst.
Am 16. August fand das erste Brasenklopfen bei Temperaturen um 23 °C statt, am 19.8.2002 das zweite Brasenklopfen (24 °C) und am 20.8. 2002 das Brasenbrennen mit 35 Haubergsfeuern.
Am 22.8. wurde die Asche zerworfen.
Roggensaat und anschließendes Abschlusstreffen der „Aktiven“ in der Hütte Herling fanden am 6.9.02 statt. Der Roggen ist sehr gut aufgelaufen.

Getreideernte

Das erste Kornschneiden mit Kindern der Kreuztaler Ferienspiele (s. Öffentlichkeitsarbeit) wurde am 12.8. durchgeführt. Es entstanden 4 Ritter und ein Dreibock. Der größte Teil der Roggenfläche ist am 14.8. bei 19 °C geschnitten und zu 13 Rittern aufgestellt worden. Die Ritter, ausgenommen die von den Kindern errichteten, wurden wieder an Kirchengemeinden, Schulen und Vereine sowie an das Freilicht-Museum in Hagen abgegeben.
Der Roggen hatte 2002 eine Halmlänge von durchschnittlich 115 cm und durchschnittlich 7 cm lange Ähren mit je durchschnittlich 40 Körnern = 1,22 g Körner je Ähre bei einem durchschnittlichen Gewicht je Korn von ca. 30 mg.
Der Buchweizen hatte gute Entwicklungsmöglichkeiten und konnte weitgehend ausreifen, zumal der erste Frost erst im Dezember auftrat.
Am 19.9. 2002 erbrachte die Ernte von 20 m² Probefläche bei einem Reifegrad von 80 % und das sofort anschließende Dresche im Sack (bei einer Ausbeute von schätzungsweise 75 % 2200 g Körner, das entspricht 1100 kg/ha. Der Gewichtsverlust durch Reinigen (Entfernen von Blüten- und Blattresten, kleinen Steinchen etc. betrug ca. 10 %. Eine der Dorstener Mühle eingesandte Körnerprobe aus dieser Teilernte wurde dort als schäluntauglich befunden, weil die Körner zu klein und zu feucht seien und die Probe noch zu viele Verunreinigungen aufwies. Das Ergebnis ist, dass auch 2002 keine weitere Ernte von Buchweizen stattfinden konnte.

Nachpflanzen

Auch im Jahre 2002 wurde der vorjährige Haubergschlag (2001) mit 1000 Traubeneichen im Verband von ca. 3 x 3 m überpflanzt, um der Überalterung der Stöcke entgegenzuwirken.

Gattern

Der Haubergsschlag 2002 ist zur Verhütung von Wildverbiss bereits bald nach dem Räumen und Schälen (Mitte Juni ) gegattert worden. Als Ausgleich wurden alte Gatter entfernt und die betreffenden Flächen wieder für das Wild freigegeben.

Meiler

Der Meiler 2002 wurde am Mittwoch nach Pfingsten (22.5.)mit rd. 11,5 rm (etwa 6400 kg) Haubergsholz mit 4 Helfern errichtet, am 23. 5 morgens angezündet und nach einer Brenndauer von 7 Tagen zuzüglich 2 Tage Abkühlungszeit am 1. Juni mit 8 Helfern geöffnet. Die Verkohlung war bis auf wenige Resthölzer gelungen. Es wurden 1240 kg Holzkohle geerntet. Das entspricht einer Gewichtsausbeute von 19,4 %, die nahe am Idealwert von 20 % liegt. Die gesamte Holzkohle wurde in kurzer Zeit als Grillkohle verkauft. Auch 2003 soll ein Meiler errichtet werden, und zwar wieder in der Woche nach Pfingsten.

Latèneofen

Im Latèneofen wurden 2002 zwei Verhüttungsversuche unternommen. Der erste Versuch fand am 15. und 16. Mai 2002 statt und war ein Fehlschlag. Die Versuchsbedingungen waren äußerst ungünstig: Feuchter Ofen, feuchte und zu feinkörnige Kohle und zu feinkörniges Erz bewirkten, dass der Ofen die für eine Reduktions-Reaktion erforderliche Temperatur um 1000 bis 1100 °C nur sporadisch und kleinörtlich erreichte. Das eingesetzte Erz war beim Ende des Versuchs äußerlich kaum verändert.

Am 24. und 25. Juli fand ein weiterer Versuch statt, bei dem im eigentlichen Verhüttungsvorgang 64 kg Holzkohle , 36 kg Erz und 2,7 kg Quarzsand eingesetzt wurden (Gewichtsverhältnis 100 : 56 : 4).
Holzkohle und Erz waren durch Absieben des Feinstmaterials vorgereinigt worden. Außerdem war der Ofen am 24. 7. gründlich vorgeheizt und eine Aschesperre mit Ziegeln angelegt worden, um eine Verstopfung der Luftkanäle durch Asche zu verhindern.

Diesmal wurden angemessene Temperaturen von 800 bis 1200 °C erreicht und längerfristig in größeren Ofenbereichen aufrechterhalten. Die Öffnung des Ofens am 26.7. morgens erbrachte mehrere Luppenstücke von 31 kg Gesamtgewicht. Die spektrographische Analyse der Luppe ergab, dass, ähnlich wie beim allerersten Versuch, feinst verteilte, in Schlacke eingebettete Teilchen metallischen Eisens vorliegen, die sich bisher nicht vergrößern, verdichten oder isolieren ließen.

Immerhin haben die Ergebnisse dieses vorläufig letzten Versuchs und ihr Vergleich mit früheren Ergebnissen anderer Versuchsansteller gezeigt, dass die Fellinghäuser Ergebnisse sich nicht grundsätzlich von anderen Ergebnissen unterscheiden. Zugleich ergibt sich aber die Notwendigkeit, durch weitere Verbesserungen der Versuchsbedingungen und ggf Nachschaltung eines „Frischevorganges“ zu angemesseneren Ausbeuten metallischen Eisens zu gelangen. Deshalb soll im Zeitraum 14. -19. Juli 2003 ein erneuter Versuch stattfinden. Parallel dazu sollen Luppenreste aus bisherigen Verhüttungen zu einem Versuch benutzt werden, durch erneutes Aufschmelzen mit viel Holzkohle doch noch metallisches Eisen in angemessener Konzentration zu erzielen.

Am Ofen wurden im Herbst 2002 Unterhaltungsarbeiten durchgeführt. Insbesondere wurden die flankierenden Böschungen mit schweren Bruchsteinen befestigt, um das ständige Nachrutschen zu unterbinden, durch welches der Ofen sonst gefährdet wäre.

Öffentlichkeitsarbeit

  1. Führungen

    Nach der anliegenden Statistik des FA Hilchenbach wurden im Berichtsjahr 1236 Personen in 54 Gruppen im Hauberg geführt.
    Das bedeutet eine Steigerung um mehr als 9% gegenüber dem Vorjahr. An der geführten Personenzahl war das FA Hilchenbach zu 64 % mit 3 Führern, das FA Siegen zu 36 % mit 4 Führern beteiligt.
    Bei den geführten Gruppen entfielen 40,4 % der Personen auf Grundschulklassen, 8,5% auf Kindergärten, 2,1% auf Gymnasien und 5,6 % auf Studenten, d.h., insgesamt 56,6 % auf junge Menschen, der Rest auf Heimatvereine (7,5%), Naturschutzgruppen (2,7%), sonstige Gruppen (29,7%) und Ferienspiele (3,3%).

  2. nicht organisierte Besuche

    Die Zahl der nicht offiziell registrierten Besucher von Hauberg, Meiler und Latèneofen kann wiederum nur geschätzt werden. Sie dürfte die Größenordnung von 1200 Personen haben, sodass die Jahres-Besucherzahl einen neuen Rekord von rund 2400 Personen aufweist.

  3. Faltblattserie

    Die Faltblatt-Serie "Aspekte des Historischen Haubergs Fellinghausen" wurde mit erheblicher Förderung durch die NRW-Stiftung mit einem neuen Faltblatt "Aus Holz wird Kohle" fortgesetzt. Kurz vor dem Meilerbau konnten 5000 Exemplare dieses neuen Faltblattes ausgeliefert werden. Es erfreut sich großer Beliebtheit bei den Haubergsbesuchern.

    Das inzwischen fast vergriffene Faltblatt zur Latèneverhüttung konnte mittlerweile mit Mitteln der Stadt Kreuztal und der NRW-Stiftung in einer Auflage von 10000 Stück nachgedruckt werden.

  4. Erläuterungstafel Latèneofen

    Die Arbeiten an der Erläuterungstafel zum Latèneofen konnten abgeschlossen werden. Zur Zeit der Kornernte wurde die eigentliche Tafel ausgeliefert. In den Wochen danach ist das Tragegestell aus Holz erstellt und die gesamte Tafel am 16.9.2002 dicht beim Ofen (nördlich davon) aufgestellt worden.
    Herstellung von Tafel und Holzgestell wurden wiederum von der NRW-Stiftung gefördert.

  5. Kreuztaler Ferienspiele

    Die erste Teilnahme des AK Historischer Hauberg Fellinghausen an den Kreuztaler Ferienspielen 2001 hatte offenbar bei den beteiligten Schülern wie auch bei den maßgeblichen Vertretern der Stadt Kreuztal Anklang gefunden. Am 2.3.02 fand ein Empfang aller Ferienspiel-Beteiligter durch den Bürgermeister der Stadt Kreuztal in der Weißen Villa in Dreslers Park statt. Das bei dieser Gelegenheit geäußerte Angebot des AK, erneut bei den Ferienspielen mitzuwirken, wurde dankbar angenommen und wie folgt umgesetzt:

     

    Am 12.8. haben 18 Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren im Hauberg Korn mit der Sichel geschnitten und aus dem geschnittenen Korn 4 Ritter und einen Dreibock erstellt.

    Am 14.8. waren 23 Kinder beteiligt, als nach einem Geländespiel die Kornritter vom 12.8. aufgelöst und die Garben in Jutesäcken mit Haselstecken als Dreschflegel gedroschen wurden. Das Ergebnis waren 25 kg Körner.

    Am nächsten Tag durften 23 Kinder mit einem Bus zur Nenkersdorfer Mühle fahren und sich von Müllermeister Weber den Mahlvorgang in einer historischen Wassermühle erklären lassen.
    Anschließend wurde das im Vorjahr von den Kindern gedroschene Korn sowie eine weitere Partie zugekauften Korns gemahlen, bevor nach einem Imbiss die Heimreise angetreten wurde.

    Den Höhepunkt und Abschluss der Haubergs-Ferienspiele mit 24 beteiligten Kindern bildete das Brotbacken im Backhaus der Familie Müller in Mittelhees. Das Backhaus war mit 12 Schanzen aus dem Fellinghäuser Hauberg geheizt worden. Die Brotlaibe hatte Bäcker Fischer aus Kredenbach geliefert.

  6. Diavortrag Hauberg

    In einer Reihe heimatkundlicher Informationsveranstaltungen der Stadt Kreuztal fand am 20.3.02 in der weißen Villa vor 63 Gästen ein Dia-Vortrag zum Thema "Ursprung, Wesen und Zukunft des Haubergs" statt.

  7. Internationale Beachtung

    Am 5. Mai 2002 besuchte Mr. Chad Holtzklaw den Historischen Hauberg. Mr. Holtzklaw kommt aus North-Carolina und ist Nachkomme eines der Auswanderer, die das Siegerland im Jahr 1712 verließen und in Virginia in Nordamerika eine neue Heimat fanden.

    Mr. Holtzklaw interessiert sich für alles, was die Lebensumstände seiner europäischen Vorfahren deutlich macht, insoweit auch für die Haubergswirtschaft. Er hat inzwischen auch einen Aufsatz über den Siegerländer Hauberg und seine Erfahrungen dazu im Siegerland verfasst und in der Vereinszeitung des amerikanischen Vereins der Nachfahren der damaligen Auswanderer veröffentlicht. Der Titel: The hauberg - the heart of the Siegerland

Sonstiges

    1. Unter Anleitung des Instituts für Landschaftsökologie der Universität Münster hat Herr Stefan Bussemas im Rahmen seiner Diplomarbeit u.a. im Historischen Hauberg (Auf dem Höchsten) Untersuchungen zu der Frage angestellt, weshalb in Haubergsböden regelmäßig mächtigere Humusstoff-Horizonte festgestellt werden als unter Hochwald auf vergleichbaren Standorten. Die inzwischen abgeschlossene Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die häufige Bodenfreilage im Hauberg (mit jedem Umtrieb, also ca. alle 20 Jahre) zu einer Begünstigung der Wühltiere (Mäuse, Insekten, Regenwürmer etc.) und zur Förderung der Durchwurzelung des Bodens durch Kräuter und v.a. Gräser führt.

      Hierdurch kommt es zur Bildung von Wurzelmasse in tiefern Bodenschichten bzw. zur Verlagerung von organischen Stoffen (Streu etc.) in die Mineralboden-Horizonte. Ein ausgesprochen mächtiger Humusstoff-Horizont im obersten Mineralboden ist die Folge. Die Kohlenstoff- und Stickstoff-Vorräte in Haubergsböden sind allerdings vorübergehend geringer als in Hochwald-Böden. Da dieser Mangel im Laufe der Umtriebszeit wieder ausgeglichen wird, kann von einem Boden-Raubbau durch Haubergswirtschaft nicht die Rede sein; die Haubergswirtschaft war also auch in Bezug auf Bodenpflege ein nachhaltiges System der Waldnutzung.

    2. Eine weitere Diplomarbeit zum Thema "Waldgeschichte des Siegerlandes seit der letzten Eiszeit bis zur Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung des Grundsatzes der Nachhaltigkeit der Waldnutzungen" ist von einem Lehramtsstudenten an der Uni Köln (Volker Weissenberg) begonnen worden.

 

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Jahresbericht 2001

Jahreswirtschaftsbericht 2001 über den Historischen Hauberg Fellinghausen

Inhalt

  1. Haubergsteilung
  2. Räumen und Schanzenmachen
  3. Lohschälen
  4. Hacken und Brennen, Saat
  5. Getreideernte
  6. Nachpflanzen
  7. Gattern
  8. Meiler
  9. Latèneofen
  10. Öffentlichkeitsarbeit
  11. Sonstiges

1. Haubergsteilung

Bei Temperaturen knapp über 0°C fand am 10.1.2001 ab 14 Uhr 30 das diesjährige Haubergsteilen statt.

3. Lohschälen

Bei Temperaturen um 23°C begann am 11.5. 01 das Lohschälen. Die meiste Lohe wurde um den 16.5. geschält.

150 Schälstangen ergaben 415 kg Lohe. Eine kleine Lohbürde ging an das Siegerland-Museum, der Rest an die Gerberei Rendenbach in Trier.

4. Hacken und Brennen, Saat

Das erste Fräsen fand am 16.6.01 statt. Unmittelbar danach wurde ohne weitere Bodenbearbeitung Buchweizen (Heidlof) gesät. Der Buchweizen entwickelte sich, vermutlich wegen Feuchtigkeitsmangel, nicht so kräftig wie in den Vorjahren. Besonders im Bereich der Wurzelteller um die Überhälter waren die Pflanzen nur schwach entwickelt.

Das Fräsen der 2. Hälfte des Historischen Haubergsschlages (Kornfläche) geschah am 20.8.2001.
Am 21.,22. und 23. August wurden Brasen geklopft und am 24. 8. Brasen gebrannt.
Am 27. 8. haben Kurt Becker und Arnold Schneider die Asche der Brasenfeuer zerworfen.
Am 8.9. 2001 soll die diesjährige Kornsaat stattfinden.

5. Getreideernte

Die Buchweizen-Ernte konnte wieder nicht durchgeführt werden (Gründe s. Vorjahresbericht).
Die Kornernte musste wegen regnerischen Wetters mehrfach verschoben werden. Am 10.8. wurden die ersten 2 Ritter mit je 10 Garben im Rahmen der Kreuztaler Ferienspiele geschnitten. Es nahmen 12 Kinder teil.
Am 13.8. wurde der Rest des Korns bei hervorragendem Wetter geschnitten und zu 7 Rittern mit je 11 Garben verarbeitet. Am 14. 8. 2001 wurden die am 10.8. hergestellten Ritter in Jutesäcken, wiederum im Rahmen der Kreuztaler Ferienspiele, von 13 Kindern mit Haselstöcken gedroschen. Das Ergebnis waren 9,5 kg Körner.

Die Reinigung des Druschgutes mit einem Windsieb (Fäjwann) misslang, weil kein Wind wehte. Am 15.8. haben 14 Kinder aus Kreuztal am Meilerplatz Stockbrot aus Roggen-Sauerteig gebacken, welcher aus Haubergskorn von 1999 hergestellt worden war.
7 Haubergsritter wurden komplett und kostenlos für Dekorations- und Anschauungszwecke an Kirchen, Vereine etc. abgegeben.

6. Nachpflanzen

Die traditionelle Ergänzung der Stockausschläge mit Kernwüchsen fand auf der Haubergsfläche 2000 im April statt, indem die Fa. Balzer dort 1000 Traubeneichen pflanzte. Dieses Nachpflanzen ist erforderlich, um der Alterung der Eichenwurzeln entgegenzuwirken.

7. Gattern

Die Gatterung des Haubergsschlages 2001 ist Anfang Juni vorgenommen worden. Gründe dafür s. Vorjahresbericht.

8. Meiler

Am 6. Juni 2001 (Mittwoch nach Pfingsten) bauten die Köhler wieder einen Meiler aus rd. 12 rm Haubergsholz.
Die Verkohlung war in diesem Jahr dadurch etwas beeinträchtigt, dass kein Schachtdeckel verwendet wurde und deshalb relativ viel Erde in den Schacht gefallen ist. Immerhin ergab die Öffnung des Meilers am Samstag, d. 16. 6. noch 1280 kg Holzkohle; das entspricht einer Gewichtsausbeute von 21,8 % (bei Veranschlagung einer Umrechnungszahl rm/m³ von 0,7 und bei einem spezifischen Gewicht des trockenen Holzes von 700 kg/m³).

Mit dem Ergebnis kann die Köhlergruppe sehr zufrieden sein.

300 kg der diesjährigen Holzkohle-Ernte waren für den Betrieb des Latèneofens bestimmt; der Rest wurde für Grillzwecke verkauft.

9. Latèneofen

Nach dem wenig erfolgreichen Verhüttungsversuch 2000 hat in diesem Jahr ein neuer Versuch mit großzügiger finanzieller Förderung durch die Stadt Kreuztal stattgefunden. Die Öffentlichkeit war diesmal nicht besonders aufmerksam gemacht worden, damit der Versuch möglichst frei von Störungen durchgeführt werden konnte.

Vorbereitungen und Planungen für den neuen Versuch begannen bereits im Herbst 2000. Eine Gruppe von Hütten- und Energiefachleuten sowie Chemikern ermittelte die Schwachstellen des vorjährigen Versuches:

  • Wenig gehaltvolles und uneinheitliches Erz
  • feuchte Holzkohle,
  • fehlender Lehmanteil in der Ofenwand,
  • zu weiter Ofen-Querschnitt im unteren Teil
  • zu starker Sauerstoff-Zutritt zum Ofen.

Schritte zur Beseitigung der Mängel bzw. zur Besserung der Bedingungen waren:

  • a) Beschaffung gehaltvollen Erzes von rd. 60% Fe-Gehalt aus Niederschelden
  • b) Beschaffung und Verwendung trockener Holzkohle
  • c) Auskleiden der Ofen-Innenwand mit Lehm aus der Numbach (Kanalarbeiten) am 14.5.2001
  • d) Verengung des unteren Ofenteils am 18.5.
  • e) Beschaffung eines Eisen-Deckels zum Verschließen der Ofengicht (zur Verhinderung von Sauerstoff-Diffusion von oben)
  • f) Vorfertigung eines Düsenziegels, welcher schnell in das Windloch des Ofens eingefügt werden konnte und den Zutritt übermäßiger Sauerstoffmengen verhindern sollte.

Am 23.7. nachmittags wurden 43,5 kg Eisenerz (Brauneisen) auf offenem Holzfeuer geröstet. Die Temperatur im Innern des Feuers betrug 775 °C. Das Gewicht des gerösteten Erzes wurde mit 32 kg ermittelt; somit ist durch das Rösten ein Gewichtsverlust von rd. 26 % eingetreten. Nach dem Rösten ließen sich die Erzbrocken relativ leicht auf Walnussgröße zerkleinern.
Am 24.7. ab 6 Uhr 45 wurde zunächst ein kräftiges Holzfeuer im Ofen entfacht, mit Holzkohle gefüttert und die Temperatur langsam auf 750 bis 800 °C gesteigert.

Um 9 Uhr wurde die Windöffnung mit dem Düsenziegel bis auf ein ca. 50 mm weites Düsenloch verschlossen.

Ab 9 Uhr 05 wurden zweimal Holzkohle-Erz-Gemische von insgesamt 12 kg Holzkohle und 8,4 kg Erz, ab 11 Uhr nacheinander Holzkohle und Erz in insgesamt 7 Portionen ergänzt, sodass gegen 14 Uhr insgesamt 30 kg Holzkohle (abgesehen von 20 kg Anheiz-Holzkohle) und 20,3 kg Erz eingefüllt waren. Außerdem wurden in 9 Portionen insgesamt 1500 g SiO2 (feiner Quarzsand) beigegeben.
Während des Verhüttungsprozesses wurden die Ofentemperaturen mit mehreren Messinstrumenten laufend kontrolliert. Sie betrugen zwischen 700 und 1120°C. Außerdem wurden die Gaskonzentrationen von Kohlenmonoxid und Kohlendioxid in der sogenannten Reaktionszone laufend kontrolliert. Die Messungen ergaben sehr günstige Verhältnisse, nämlich i.a. weniger als 3% CO2 und zwischen 16 und 31% CO. Das bedeutet, dass am Reaktionsort Sauerstoff-Mangel herrschte und CO im Überschuss vorlag, wodurch die Reduktion des Eisenoxids möglich gewesen sein müsste. Auch die blassblauen Flammen an der Gichtöffnung zeigten die Verbrennung von Kohlenmonoxid und damit einen Überschuss dieses Stoffes im Innern des Ofens an.

Um 15 Uhr 50 wurde die Ofenbrust durch Entfernen des Düsenziegels geöffnet und bis 16 Uhr 40 wurden mehrere Luppenstücke im Gesamtgewicht von 17 kg herausgezogen, die von viel glühender Holzkohle umgeben waren.

Einige der Luppenstücke waren unerwartet schwer, andere überraschend leicht. Es hatte offenbar eine gewisse Trennung von Schlacke und Eisen stattgefunden, allerdings nur unvollständig. Immerhin wurden aus einem faustgroßen Luppenstück mehrere erbsengroße Eisenteilchen von insgesamt 10 g isoliert, die verformbar, also schmiedbar, waren.

Eine genaue Analyse der Luppenmasse steht noch aus, sodaß das Gesamtergebnis des zweiten Verhüttungsversuches noch nicht bekannt ist. Vorläufig kann jedoch gesagt werden, dass man mit dem 2. Versuch etwas näher an ein praktikables Verhüttungsverfahren herangekommen ist, wie es von den Kelten angewendet worden sein könnte. Welche Mängel jetzt noch vorliegen, wird das endgültige Untersuchungsergebnis der Luppenstücke zeigen. Bei einem neuen Versuch, der im Herbst 2001 oder im Frühjahr 2002 - diesmal wieder unter Beteiligung der Öffentlichkeit - geplant ist, sollen die Bedingungen weiter verbessert werden.

Inzwischen sind dringende Reparaturarbeiten am Ofen entweder schon ausgeführt oder geplant: Am 15. und 16.8. haben Kurt Becker und Arnold Schneider das Ofendach (Gichtbühne) bis auf die Schälstangen abgedeckt, mit Teichfolie bespannt, Maschendraht aufgenagelt und wieder mit Brasen zugedeckt. Dadurch soll einer schnellen Fäulnis der Eichen-Schälstangen vorgebeugt werden.

Die Ofen-Innenwand und der Ofen-Boden sind beim Verhüttungsversuch wieder ziemlich stark beschädigt worden. Es muss also eine erneute Auskleidung und Ausmauerung des Ofens stattfinden.

Näheres zum 2. Verhüttungsversuch siehe hier.

10. Öffentlichkeitsarbeit

Auch im Wirtschaftsjahr 2001 ist der Haubergsbetrieb von zahlreichen Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit begleitet gewesen:

  1. Es fanden insgesamt 44 Führungen mit 1131 Personen statt. 22 Führungen wurden durch Angehörige des Forstamtes Hilchenbach, 12 durch Bedienstete oder ehem. Bedienstete des FA Siegen geleitet. Bei den Gästen des Haubergs handelt es sich um 520 Schüler von Grund- und Behindertenschulen (46%), 20 Kindergartenkinder (2 %), 89 Studenten (8%) 114 Mitglieder von öff. Einrichtungen (Gemeinden, Ämter,Kirchen, 10 %),113 Land- und Forstwirte einschl. Forstl. Nachwuchs (10 %) und 88 Mitglieder sonstiger interessierter Gruppen (8 %). Zu über 56 % kommt also die Öffentlichkeitsarbeit im Hauberg jungen Menschen zugute.
  2. Nicht offiziell erfaßt ist die Vielzahl von Besuchern während des Meilerbetriebs sowie des Latèneofens. Schließlich muß die unbekannte, aber sicher nicht geringe Zahl von Interessierten erwähnt werden, die den Hauberg zwischendurch aufsuchen und durchwandern.
  3. Die Gespräche mit dem Siegerland-Museum wurden fortgesetzt. Bei der Museumsleitung besteht grundsätzliche Bereitschaft zur Umgestaltung und Erweiterung der Haubergstube. Man erbittet hierbei die weitere Unterstützung des AK Historischer Hauberg und der Waldgenossenschaft Fellinghausen. Die Finanzierung der Maßnahme ist allerdings noch nicht sichergestellt. Inzwischen wurde das Museum mit 5 Schanzen, einer kleinen Lohbürde und etwas Haubergskorn beliefert. Weitere Unterstützung bei der Beschaffung von Ausstellungstücken wurde zugesagt.
  4. Die im Vorjahr eingerichtete Haubergs-Seite im Internet (www.hauberg.onlinehome.de) erfreut sich großer Beliebtheit, wie die zahlreichen Besuche (367) und Eintragungen im Gästebuch (8) zeigen (Stand 5.9.01).
  5. Eine wichtige Maßnahme im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit im Historischen Hauberg war die Erstellung eines Faltblattes über den Latèneofen. Von dem Faltblatt wurden 7000 Stück gedruckt. Die Kosten für 5000 Stück übernahm die NRW-Stiftung Naturschutz, Kultur- und Heimatpflege in Düsseldorf. 2000 Stück hat der Kreis Siegen-Wittgenstein finanziert.
  6. In Arbeit ist die Erstellung einer Erläuterungstafel zum Latèneofen. Erstellung der Texte, Auswahl der Abbildungen und Gliederung der Tafel sind abgeschlossen. Ein günstiges Angebot einer einschlägigen Herstellerfirma liegt vor. Danach kosten 2 Tafeln (1 Tafel Reserve) inkl. MWSt 1418.68 DM. Die Herstellung des Tragegestells aus Holz wird ca. 1000,- DM kosten (konkretes Angebot liegt noch nicht vor). Hinzu kommen Kosten für fotografische Vergrößerungen zur Montage auf dem Schild in Höhe von ca. 50,- DM und Aufstellungskosten in Höhe von ca. 200,- DM, sodass die Gesamt-Herstellungskosten etwa 2670,- DM betragen werden. Aus der Bewilligung der NRW-Stiftung stehen nach Abzug der Kosten für das Latènefaltblatt noch 3262,- DM zur Verfügung, sodass die Kosten der Hinweistafel gedeckt sind.
  7. Das Faltblatt zum Latèneofen ist als Beginn einer Reihe weiterer Faltblätter mit ähnlichem Aussehen und ähnlichem Aufbau konzipiert. Als nächstes Faltblatt dieser Reihe soll eine Information über die Haubergs-Köhlerei erstellt werden. Dabei sollen die langjährigen Erfahrungen der Fellinghäuser Köhlergruppe verarbeitet werden, die Heinz Katz zusammengetragen hat. Die Finanzierung des Vorhabens ist von der NRW-Stiftung zugesagt.

11. Sonstiges

Am 6. Juni 2001 fand nach einem Waldbegang der Vertragsbeteiligten im Fellinghäuser Hauberg die Unterzeichnung eines Anschlussvertrages zum auslaufenden Haubergsvertrag im Schloss Junkernhees statt.

Der neue Vertrag hat wiederum eine Laufzeit von 10 Jahren, bezieht nunmehr den Meilerbetrieb und die Gatterung der Schlagflächen ein, enthält verminderte jährliche Vertragsflächen und etwas verbesserte Entgelte für einige Haubergsarbeiten. Anwesend waren der Vorstand der WG Fellinghausen, ein Vertreter der Höheren Forstbehörde Westfalen-Lippe, ein Vertreter des Umweltministeriums in Düsseldorf, mehrere Vertreter des Forstamtes Hilchenbach, der Bürgermeister und der Kulturdezernent der Stadt Kreuztal sowie mehrere Mitglieder des Arbeitskreises Historischer Hauberg und Vertreter der Medien, welche anschließend über den Vorgang ausführlich berichteten.

Ein tabellarischer Rückblick auf die ersten 10 Vertragsjahre ist diesem Bericht beigefügt.

Im Wirtschaftsjahr 2001 fanden 2 Sitzungen des Arbeitskreises Historischer Hauberg statt (2.2. und 7.9.), beide in den Räumen des Forstamtes Siegen.


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Jahresbericht 2000

Jahresbericht 2000 über den Historischen Hauberg Fellinghausen

Vorbemerkung: Wegen der Errichtung des Latène-Ofens hat der diesjährige Jahresbericht Überlänge.

Inhalt

  1. Haubergsteilung
  2. Räumen und Schanzenmachen
  3. Lohschälen
  4. Hacken und Brennen, Saat
  5. Getreideernte
  6. Nachpflanzen
  7. Gattern
  8. Meiler
  9. Latèneofen
  10. Öffentlichkeitsarbeit
  11. Sonstiges

 


 

1. Haubergsteilung

Nach drei ungewöhnlich milden Februarwochen wurde der Hauberg in diesem Jahr am 20. 2. geteilt.

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