Haubergsarbeiten im Jahreslauf

Inhalt

  1. Teilen
  2. Räumen
  3. Schanzenmachen
  4. Lohschälen
  5. Niederhauen
  6. Hacken und Brennen
  7. Säen
  8. Kornernte
  9. Waldweide
  10. Köhlerei
  11. Haubergsversammlung

 

 

 

 

 

 

 

Vergrößerung Vergrößerung Vergrößerung Vergrößerung Teilen Räumen Schanzenmachen Lohschälen Hacken Buchweizensaat Kornsaat Kornernte Buchweizenernte Haubergsversammlung


1. Teilen

Stibb mit Haubergszeichen Der Hauberg gehört mehreren bis vielen Anteilsberechtigten als gemeinschaftliches Eigentum mit unterschiedlich großen ideellen Eigentumsanteilen.

Jährlich wird die jeweils älteste Teilfläche (Schlagfläche) des Haubergs gemeinschaftlich von allen Anteilsberechtigten bearbeitet. Der Hauberg ist in soviele Schlagflächen eingeteilt, wie der festgesetzten Umtriebszeit des Haubergs (in Jahren, meist 16 -20 Jahre) entspricht.

Die Anteilsberechtigten müssen an der Bearbeitung des jährlichen Haubergsschlages nach dem Maß ihres Eigentums-Anteiles beteiligt werden. Dazu muß der Schlag in unterschiedlich breite Streifen (Jähne) zerlegt werden. Das sogenannte Kleinteilen geschieht mit der Haubergsrute, einem vielseitigen Holzstab, welcher für jeden Anteilsberechtigten einen besonderen Maßstab auf einer seiner Seiten aufweist, der es erlaubt, die dem jeweiligen Eigentümer zustehende Streifenbreite direkt ohne Umrechnung in der Örtlichkeit abzumessen. Dies geschieht unter Aufsicht des Haubergs-Vorstandes erst , wenn die Reihenfolge der Jähne im Jahresschlag ausgelost wurde, um willkürliche Begünstigungen einzelner Anteilseigner durch Zuweisung besonders gut bestockter Teilflächen auszuschließen.

Sobald die Jahnbreite der einzelnen Anteilsberechtigten ermittelt wurde und die Lage der Jähne zueinander festgestellt ist, sind auch die Grenzen der Jähne bekannt. Sie werden nun für die Dauer der Bearbeitung des Streifens (bis zu 1 ½ Jahren) durch hölzerne Grenzzeichen, sogenannte "Stifte" (auch "Stibbe") markiert. Die Stifte bestehen aus kaum armdicken Eichenpfählchen von ca. 70 cm Länge, in deren obere Seiten die Haubergszeichen der einander benachbarten Jähne eingekerbt sind (Abb.o.). Haubergszeichen sind unveränderliche Kennzeichen bestimmter Anteilseigner, dürfen von Dritten in der gleichen Genossenschaft nicht verwendet werden und können vom Berechtigten außer zur Kennzeichnung seiner Haubergs-Jähne auch noch zur Eigentums-Kennzeichnung von Geräten und Werkzeugen verwendet werden.

 

2. Räumen

Haubergseigner beim AushauenUnmittelbar nach dem Teilen beginnen die Anteilseigner - jeder auf seinem Anteilsstreifen - mit dem Abhieb der Weichhölzer, also der Birken, Ebereschen und Weiden, sowie der nicht schälfähigen Eichen. Die schälfähigen Eichen sowie einige besonders schön gewachsene Birken bleiben zunächst stehen, letztere vor allem als Samenbäume.

Der Abhieb durfte früher nur mit scharfen Äxten vorgenommen werden, weil die Meinung bestand, daß die Auschlagfähigkeit der Stöcke bei verwendung von Sägen leiden könne. Heute werden die Weichhölzer überwiegend mit der Motorsäge umgeschnitten, ohne daß sich wesentliche Nachteile für den Stockausschlag ergeben hätten.

 

3. Schanzenmachen

Zwei Knippe

Die gefällten Bäume werden überwiegend mit dem "Knipp", einer Art Buschmesser mit scharfer, vorne eingekrümmter Klinge an hölzernem Griff, entästet (geschneiselt).

Die übrigbleibenden Holzstangen werden mit dem Haubergsschlitten oder durch Schleifen zusammengetragen und auf Haufen am nächstgelegenen Weg abgelegt. Sie wurden früher zur Verkohlung, heute ausschließlich als Brennholz verwendet.

Das anfallende Ast- und Kronenreisig wird zu "Schanzen" gebunden; das sind Reisigbündel von ca. 1 m Länge und 30 cm Durchmesser, die zweimal, am vorderen und hinteren Ende, mit einem Wed, d.i. ein gedrehter Weiden- oder Birkenzweig, zusammengegehalten werden (Abb.o.).
Die gebundenen Schanzen werden mit dem "Schuffbock" in Wegnähe zusammengefahren, zum Trocknen dachförmig aufgestellt und früher wie heute zum Aufheizen von Steinöfen verwendet, in denen man Brotlaibe aus Roggenmehl, Milch und Sauerteig zu würzigem "Schanzenbrot" backt.

4. Lohschälen

Lohlöffel oder Schöwwel

 

Eichenrinde, insbesondere die Spiegelrinde junger Eichen, enthält 10-11% Reingerbstoff und eignet sich deshalb vorzüglich zum Gerben von Tierhäuten zu hochwertigem, strapazierfähigem Leder.

Die Eichenrinde ("Lohe") wird am stehenden Stamm gewonnen, indem man die Stämmchen zur Zeit des Laubaustriebs der Eichen mittels eines Spezialwerkzeugs, des Lohlöffels oder Schöwwels (Abb. ) bis in 4-5m Höhe entrindet, die Rindenröhre einige Tage lang zum Trocknen am geschälten Stamm hängen läßt (Abb.), um sie danach abzureißen, zu verwiegen (Abb.) und an die Lohmüle bzw. Gerberei abzugeben.

Lohbündel geschälte Stangen Lohwaage

 

5. Niederhauen

Die geschälten Eichenstangen werden möglichst bald nach der Abnahme der Lohe ähnlich wie einige Wochen zuvor die Weichhölzer möglichst dicht über dem Erdboden mit einem möglichst glatten Hieb oder Schnitt abgetrennt. Die Schälstangen wurden ursprünglich wie die Weichholzstangen ausschließlich zur Verkohlung verwendet, heute entsprechend zum Verbrennen, ausnahmsweise zur Herstellung rustikaler Gartenmöbel. Das Reisig der Schäleichen wird ebenfalls zu Schanzen gebunden etc.

[Zum Inhalt]

6. Hacken und Brennen

BrennenZur Vorbereitung der landwirt­schaftlichen Zwischennutzung der Schlagfläche wird nach dem Abfahren der Lohe der Bodenüberzug aus Gräsern, Kräutern und Zwergsträuchern mit der Hainhacke abgeschält. Die entstehenden Rasensoden werden getrocknet, bis sich die anhaftende Erde ausklopfen läßt (Brasenklopfen). Die verbleibenden organischen Reste werden auf kleine Haufen zusammengezogen und verbrannt (Brasenbrennen), die entstehende Asche am nächsten Tag über die gesamte Schlagfläche verteilt (zerworfen).

7. Säen

Ein Hoach

 

In die durch Hacken und Brennen vorbereitete Fläche wird entweder im Juni Buchweizen (Fagopyrum esculentum, ein Knöterichgewächs) oder im September Winterroggen gesät und die Saat anschließend mit einem räderlosen Hakenpflug (Hoach) (Abb.o.) leicht mit Erde bedeckt (Hoachen).
Buchweizen reift im Oktober des Aussaatjahres, Winterroggen im August des Folgejahres.

 

Haubergsgenossen beim Hoachen

8. Ernte

Kornritter im Hauberg blühender Buchweizen

Buchweizen("Haidloff") und Roggen (Korn) werden zur Reifezeit mit der Sichel geschnitten, zu Garben gebunden und (zumindest die Garben des Korns) zu Kornrittern zusammengestellt (Abb.o.), bis sie druschtrocken sind und eingefahren werden können, um im Hauberg auf Tüchern oder im Winter auf der bäuerlichen Tenne gedroschen werden zu können.

Gräser

Die Verwendung von Sensen zur Kornernte im Hauberg war früher verboten, weil dabei allzuleicht die jungen Stockausschläge, die aus den Wurzeln der Laubbäume sprießen und die Grundlage für künftige Holznutzungen bilden, beschädigt werden könnten.

Roggenmehl aus Haubergskorn ergibt ein besonders schmackhaftes Schwarzbrot. Buchweizen wurde früher zu kleinen Kuchen gebacken oder zu Herstellung von Brei verwendet. Vor dem Mahlvorgang müssen die Buchweizen-Körner jedoch geschält werden, weil ihre Samenschale Bitterstoffe enthält, die bei Mensch und Vieh zu Gesundheitsschäden führen können.

 

9. Waldweide

 

Schäll

Nicht nur die Anteilsberechtigten, sondern alle Dorfbewohner durften früher soviel Stück Vieh (meist nur Rindvieh, gelegentlich auch Schafe) während des Sommers im Hauberg weiden lassen, wie sie aus eigenen Futtervorräten im Winter ernähren konnten. Ziegen waren wegen ihrer schädlichen Wirkung auf den Wald vom Weidegang ausgeschlossen. Ausgeschlossen waren auch Haubergsflächen, deren Aufwuchs jünger als 5 - 7 Jahre war, weil auf ihnen das Vieh die Wipfel der Stockausschläge verbissen haben würde.

Die Waldweide geschah unter Aufsicht eines von der Gemeinde angestellten Hirten, der dafür bezahlt wurde und reihum in den beteiligten Häusern zu Tisch saß. Zur Erleichterung der Aufsicht trugen die Herdentiere im Klang abgestimmte Glocken (Schellen) an kunstvoll geschnitzten und bemalten Holzbügeln um den Hals.

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert erkannte man, daß die Waldweide überwiegend nachteilig für den Wald und zugleich unzureichend für die Ernährung der durch Züchtung inzwischen leistunsfähiger und anspruchsvoller gwordenen Rinderrassen war. Die Hude-Gerechtsamen wurden deshalb durch Rodung von Teilflächen des Haubergs abgelöst, die durch Bodenbearbeitung und Düngung zu leistungsfähigen Weidekämpen umgewandelt und den Hudeberechtigten fortan als Sommerweide zur Verfügung gestellt wurden.

 

 

10. Köhlerei

Aufbau eines Kohlenmeilers

Zur Verhüttung des im Siegerland früher reichlich geförderten Eisenerzes wurde vor der Verfügbarkeit von Steinkohle in großem Umfang Holzkohle benötigt.
Holzkohle wird bis heute in Meilern hergestellt, die nach folgendem Schema aufgebaut sind: Um den sogenannten Quendelschacht herum ,der entweder ein Kamin aus kreuzweise geschichteten Laubholzstücken oder eine mit Reisig umwickelte, im Zentrum des Meilers aufgestellte Stange ist, werden die zu verkohlenden , ca. 1m langen Holzstücke in einer oder zwei Schichten möglichst dicht zu einem halbkugeligen bis kegelstumpfförmigen Holzhaufen gestapelt. Dieser Rohbau des Meilers wird anschließend mit einem Rauhdach aus Rasensoden oder Fichtenreisig bedeckt und schließlich mit einer Erdschicht (Erddach) möglichst luftdicht abgedeckt.

 

qualmender Meiler

Das Prinzip des Meilervorganges besteht nämlich darin, durch unvollständige Verbrennung des Holzes bei gedrosselter Luftzufuhr zwar die flüchtigen Bestandteile des Holzes einschl. Wasserdamf zu entfernen, aber die vollständige Verbrennung des Holzes zu Asche zu verhindern. Gleichwohl darf das im Meiler entzündete Feuer auch nicht erlöschen, weil sonst keine Holzkohle entstehen könnte. Deshalb werden in die Außenhaut des Meilers Zuglöcher mit einer Stange eingestoßen, je nach Verkohlungsfortgang erweitert, geschlossen und verlagert,bis der Köhler an der Farbe des Meilerrauches und an der Form des Meilers erkennt, daß die Kohle gar ist. Nach einer Abkühlungsperiode von 2-3 Tagen wird der Meiler nun geöffnet, die noch heiße Holzkohle zur Abkühlung flach ausgebreitet, verwogen und (heute) zu Grillzwecken verkauft. Früher wurde die Holzkohle mit Kohlenwagen zu den Eisenhütten und Hämmern transportiert, vom Zainmeister dort verwogen und nach dem ermittelten Gewicht vergütet.
Die Ausbeute an Holzkohle beträgt durchschnittlich 20% des Gewichtes der eingesetzten Holzmenge.

11. Haubergsversammlung

Zu Beginn des Winters, spätestens im frühen Frühjahr, treffen sich die Anteilseigner des Haubergs unter Leitung ihres meist dreiköpfigen Vorstandes zur Haubergsversammlung. Diese dient der Rechnungslegung des Vorstandes für das abgelaufene Wirtschaftsjahr, der Erstattung von allgemeinen Rechenschaftsberichten durch die Haubergsorgane (Vorsteher, Rechner, Rechnungsprüfer, Schriftführer etc., der Beschlußfassung über die Lage und Aufteilung des nächstjährigen Jahresschlages sowie über weitere Wirtschaftsmaßnahmen, der Beschlußfassung über die Verfassung (Satzung) der Genossenschaft sowie (periodisch) der Wahl der satzungsgemäßen Organe der Genossenschaft.

Das Stimmrecht der Mitglieder der Hauberggenossenschaft (heute: Waldgenossenschaft) in der Haubergsversammlung richtet sich nach der Größe ihrer Haubergsanteile.

Die örtliche Forstbehörde übt die Fach- und Rechtsaufsicht über die Waldgenossenschaft aus und nimmt deshalb nicht selten an den Haubergsversammlungen teil.
Mit der Haubergsversammlung schließt sich der Jahreslauf der Haubergsarbeiten bzw. beginnt ein neuer Jahreszyklus.


Auf dieser Seite

Nachrichten der NRW-Stiftung

Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege fördert und unterstützt Projekte und Einrichtungen in NRW.