Rekonstruktion des Ofens

Die Nachbildung des Latène-Ofens ist in rund zweimonatiger Bauzeit an einem sanft geneigten Ost-Oberhang westlich des oberen Fellenbachtales, ca. 70 m südlich des Meilerplatzes im Historischen Hauberg Fellinghausen errichtet worden.
Die bislang gültige Annahme, daß die Latèneöfen als Windöfen auf den tagsüber wehenden Hangaufwind angewiesen gewesen seien und deshalb bevorzugt am oberen Ende von kleinen Tälchen (Siefen) angelegt wurden, scheint nicht länger haltbar. Tatsächlich entwickeln die Öfen eine derartige Kaminwirkung, daß zusätzlicher Hangaufwind entbehrlich scheint. Die Siefenstandorte sind stattdessen wahrscheinlich deswegen ausgewählt worden, weil sie erstens gute Möglichkeiten zum Einbau des rückwärtigen Ofenteils in die Talschultern boten und, weil an den Siefenenden häufig dicke Lehmschichten als Baumaterial für die Windöfen anstehen.

Im Falle des Fellinghäuser Latène-Ofens wurde am beschriebenen Hang-Standort zunächst ein Plateau von ca. 10 x 10 m Größe angelegt, wodurch bergseitig eine Böschung von ca. 1 m Höhe entstand. In diese Böschung wurde zunächst eine leicht trapezförmige Vertiefung von 170 cm Breite und 2 m Tiefe und in deren Rückwandeine Höhlung in Form eines senkrecht stehenden Halbzylinders eingegraben, welche mit einer Lehmmischung ausgekleidet wurde und so als innere Rückwand des Ofens diente (Abb.l.). Die Lehm-Mischung, die auch in den folgenden Bauschritten verwendet wurde, bestand aus gleichen Volumenteilen von Ton, Rheinsand und Pferdemist sowie je einer Handvoll Stroh auf je 9 Teile der vorgenannten Materialien.
Sodann wurde der innere Grundriß des Ofens als Kreis von 60 cm Durchmesser abgesteckt und an der Peripherie des Grundrisses wurden ca. 2 m lange Haselruten im Abstand von ca. 6 cm in den Boden gesteckt. Die Haselruten wurden mit jungen, geschmeidigen Birkenzweigen zu einem korbförmigen Leergerüst von ca. 180 bis 200 cm Höhe verflochten (Abb.r.).

 

 

 

 

 

 

 

 

Talseitig an dieses Leergerüst wurde die Windöffnung des Ofens, bestehend aus 2 stehenden, 5-6 cm dicken, 50 x 60 cm messenden Steinplatten, einer oben aufliegenden Platte vn 8-13 cm Dicke,75 cm Länge und 50 cm Breite sowie einer unten innen liegenden Steinplatte von etwa 8 cm Dicke und ca 40 x 50 cm Fläche angelehnt.

 

Alsdann wurde das Leergerüst von außen ringsumher (mit Ausnahme des unterirdischen, bereits fertigen Teils der Rückwand) mit steifem Lehmteig (wie obenstehend beschrieben) in einer Schichtdicke von ca. 5-7 cm belegt bzw. in die Zwischenräume des Korbgeflechtes eingepreßt. Es folgte nach außen eine weitere Schicht aus dem gleichen Material von ca. ebenfalls 5 - 7 cm Dicke. Die nächstäußere Schicht bestand aus flachen Feldsteinen von ca. 10x10 cm Größe , die mit dem Lehmgemisch als Bindemittel kachelförmig an die beiden inneren Schichten angelehnt wurden. Es folgten 3 weitere Schichten aus Lehmgemisch, im Mittel je 5-7 cm dick, am Ofenfuß jedoch deutlich dicker.

 

Das Ergebnis ist ein Ofen von ca. 1,80 m Höhe, wovon 120 cm rückseitig im Boden stecken, ca. 1,30 m äußerem Durchmesser unten und ca.85- 90 cm Durchmesser oben, mit einem schwach kegelstumpfförmigen Innenraum mit ca. 60 x 100 cm Durchmesser unten und ca.45 cm Durchmesser oben ( Abb.l). Die Wandstärken liegen zwischen 60 cm unten vorn und 20 cm oben. Beim Austritt aus dem Erdreich hat der Ofen einen äußeren Durchmesser von 130 cm.

 

Um die obere Öffnung des Ofens (Gichtöffnung) wurde nach dem Vorbild einiger Ausgrabungsbefunde eine Rille von ca. 10 cm Tiefe in den Ofenmantel eingearbeitet. Die Bedeutung dieser Rille ist noch unklar; es könnte sich aber um ein Anschlußstück für einen hohlen Baumstamm handeln, der möglicherweise oben auf die Gichtöffnung aufgesetzt wurde, um die Kaminwirkung zu verstärken.
Den Ofengrund bildet eine flache mulde im natürlichen Boden.
In die Ofenwand waren in 15, 65 und 135 cm Höhe über Ofengrund Tonröhren zur Einführung von Temperatursonden eingelassen.

 

 

 

 

 

Ebenfalls nach dem Vorbild von Ausgrabungsbefunden wurde über dem Ofen ein Pultdach vn 3,5 m Breite und 4,7 m Länge aus Eichen-Schälstangen von durchschnittlich 12 cm Dicke als (6) Pfosten und (35) Sparren errichtet, welches mit Birkenreisig und schließlich mit Rasensoden von einem benachbarten Feldweg bis auf eine quadratische Öffnung von ca. 100 x 100 cm über der Gicht abgedeckt wurde (Abb r.). Die hinteren Pfosten des Pultdaches hatten einen Abstand von 3 m , die vorderen Pfosten einen solchen von 4 m ; letztere wiesen zu den hinteren Pfosten einen Abstand von 4 m auf. Am Ofen wurde links über der Windöffnung ein Ornament in der Form eines keltischen Sonnenwirtels angebracht.
Bis zu diesem Zeitpunkt stand ein Bauzelt aus dem Bestand des Westfälischen Museums für Archäologie , Außenstelle Olpe, zur Verfügung.
Am 17. Juni 2000 wurde erstmals ein Feuer aus Haubergsholz in dem Ofen entfacht, um den Trocknungsvorgang zu beschleunigen und die Stabilität des ofens zu prüfen.. Dabei zeigte sich eine enorme Sogwirkung (Kaminwirkung) und eine ausgeprägt gute Wärme-Isolation durch die dicken Ofenwände; während nämlich im Innern des Ofens sicherlich ca. 600° C herrschten, war die äußere Ofenwand kaum handwarm geworden.


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